13. & 14.10.2018 - Konzerte

 

Da ist kein Halten mehr:
Zuschauer tanzen in den Gängen der TSV-Halle

Feuerwerk der Töne und Bewegungen bei ausverkauften Konzerten der Concordia-Chöre Ton in Ton und Classica am Wochenende in Klein-Auheim

Wohin führt sie wirklich, die Straße nach „Nowhere“?  Vielleicht auf die Spuren der Vernunft? Ins Paradies? Leben wir in der Illusion „süßer Träume“ oder ist es unser eigener, persönlicher Weg, auf dem wir unterwegs sind? Lassen wir uns von anderen wie ein Raumschiff steuern? Wird unser Dasein nur bestimmt von Effektivität, Handeln und „Money, Money, Money“ ? Rufen wir „SOS“ oder verlieren wir uns inklusive unserer phänomenal blauen Augen im Sternenhimmel nach einem „Manic Monday“?

Hoppla – sind das die Themen eines Hanauer Stadtteil-Gesangvereins? Hat sich die Concordia Klein-Auheim etwa in eine Philosophie-Akademie verwandelt und Vorstand, Dirigent und Vereinsmitglieder sinnieren nur noch  wortakrobatisch über den Sinn des Lebens und überhaupt?

Cut. Schnitt! Stop!

Ja, die Zitate vom ersten Absatz dieses Berichtes sind Textstellen aus dem vielseitigen Repertoire der Concordia-Chöre; sie stammen von Bands wie Eurythmics, Fleetwood Mac, Abba, Bangles, Talking Heads, Falco und weiteren Künstlern.. Ja, die Texter haben ihre Worte nicht beliebig aus dem Scrabble-Kasten herausgefischt sondern vermitteln Botschaften mit Herzblut (im besten Fall) und haben wirklich Wichtiges zu sagen...

Und dann passiert im Proberaum, den das Klein-Auheimer Hotel-Restaurant „Zum grünen Baum“ den Sängerinnen und Sängern der Concordia seit Jahrzehnten kostenfrei zur Verfügung stellt, etwas Wunderbares: Transformation, die sich auf dem Weg zur Bühne immer weiter entwickelt.
Was das bedeutet, lässt sich theoretisch nur sehr schwer erklären....

Die Auswirkungen des Prozesses, der mindestens so lange dauert wie ein Elefantenkälbchen im Bauch seiner Mutter bis zur Geburt heranreift, sind auf der Bühne mit dem ersten Ton des ersten Liedes augenblicklich zu erleben: Pure Lebensfreude, positive Ausstrahlung in den ganzen Saal hinein und eine Glücksgefühl, das alle  mit Freude überflutet und ein Lächeln in die Gesichter zaubert. Die Zuschauer empfangen Beat, Rhythmus und Melodie von der Bühne und schicken das eigene Glück des Hörens gleich wieder an die Sängerinnen und Sänger zurück, nach vorne, auf die Bühne. Dabei entsteht plötzlich diese nicht greifbare Energie im Raum; ‚Win-Win-Situation‘ nennt man das oder ‚Symbiose‘ oder einfach ‚Geben und Nehmen, das glücklich macht‘.
Unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Staatszugehörigkeit, Beruf oder Geldbeutel.

Siebenhundert Gäste sitzen am Samstag- und Sonntagabend bei den Konzerten der Chöre „Classica“ und „Ton in Ton“ auf den Stühlen oder stehen und tanzen in den Gängen, weil die Musik sie einfach mitnimmt und weil sich der ganze Körper bewegen will. Siebenhundert Gäste, das bedeutete zwei Mal total ausverkaufte Halle in Klein-Auheim. Eine 82jährigen Dame dankt der Vereinsvorsitzenden Uschi Salg dafür, dass sie in ihrem Alter so etwas Schönes erleben darf wie niemals zuvor und wünscht sich, möglichst lange auf der Welt zu bleiben um die künftigen Konzerte von ‚Ton in Ton‘ und ‚Classica‘ nicht zu verpassen! Eine Zuschauerin hat so ausdauernd geklatscht, dass am Ringfinger ein Äderchen geplatzt ist.

So viele Glücksgefühle, solche Magie... braucht natürlich einen Zauberer. Einen, der bei seinen Sängerinnen und Sängern ist und den Weg mit ihnen gemeinsam geht, hüpft, tanzt. Mit Turnschuhen, Streifenhose, Neonteilchen und echtem Schweiß auf der hohen Stirn beim Neue-Deutsche-Welle-Medley: „Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ – „Aha!“  Der völlig losgelöst Falcos ‚Kommisar‘ rappt. Der auch für das Abba-Medley am Schluss noch jede Menge Energie gespeichert hat. Der sich zerreisst für seine Truppe, die er vorher – selbst immer vorneweg - durch Proben und Extraproben gepeitscht hat im Wissen, dass solche Konzerte wie die beiden am vergangenen Wochenende nur durch Blut, Schweiß und Tränen möglich sind. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, wusste schon der geniale Komiker Karl Valentin.

Stephan Weih, im Sommer 2018 ins fünfte Lebensjahrzehnt hineingegroovt, lässt uns zusammen mit den reifen und gesanglich top aufgestellten Chormitgliedern von ‚Classica‘ und Songs aus Peter Maffays Märchen ‚Tabaluga‘ sogar ein bisschen in sein Seelenkästlein blicken: „Ich wollte nie erwachsen sein...“ Unendlich Stolz ist der begnadete Arrangeur auf seinen neunjährigen Sohn Yannis, der ihm im Drachenkostüm als Tabaluga einiges über die Komponenten  einer Vater-Sohn-Beziehungen singend erklärt... natürlich begleitet von andauerndem Applaus.

„Von Disco bis Rock“ ist das Motto der beiden Abende, die musikalisch fantastisch begleitet werden von der „Rent a Gospel-Band“, die zum dritten Mal in Auheim begeistert. Stephan Weih läuft und tanzt mit den Konzertbesuchern auf  Straßen und Wegen der Siebziger und Achtziger Jahre durchs Geflecht der Töne. Queen, das ist seine große Liebe: Radio Ga-Ga, Don’t stop me now, Under Pressure (mit David Bowie). Das Energiebündel Weih schafft für die all wunderbaren Solisten und Solistinnen von Ton in Ton  (Kerstin Adam, Gabi Bauer, Jenni Daus, Rainer Delarü, Dominique Frühauf, Thomas Frühauf, Claudia Günter, Bettina Hansen, Marina Kemmerer, Günter Metschan, Lena Römmich, Gerhard Winkel, Sebastian Winkel) und die junge Gastsängerin Anne-Sophie Schaar eine Atmosphäre, die sie entspannen lässt und ihnen damit ermöglicht, den Solo-Auftritt mit allen Sinnen zu genießen.

Der kleine Drache Tabaluga ist von seinem Papa Tyrion beauftragt worden, die Vernunft zu suchen. Der Ton-in-Ton-Schluss des 22minütigen Abba-Medleys, arrangiert von Stephan Weih, erklärt alles: „Thank you music, you’re the key!“

 

Fotos von Friedrich Günther können HIER angesehen werden.